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The Commitments und HIM als Höhepunkte


Grandioser hätte der Eröffnungsabend des achten Little Big One nicht sein können: Traumhaftes Wetter, sympathische Stars und die exklusive, für das LBO typische Musik mit dem multikulturellen Touch. Einzig die Zuschauer liessen zunächst auf sich warten, aber spätestens zu Senkrechtstarter HIM dürften sich wohl alle LBO-Besucher eingefunden haben.
Kaum eine Band hat sich zuvor in diesem Ausmass mit Liechtenstein beschäftigt wie die Freisinger Feestyle-Könige "Blumentopf". Mit ihrem Repertoire vom Debütalbum "Kein Zufall", dem Nachfolgealbum "Grosses Kino" und eingebauten Freestyle-Raps über Liechtenstein begeisterten die fünf Rapper nicht nur eingefleischte Fans der deutschen Hip-Hop-Szene. Neben dem gängigen Image als Steuerparadies soll Liechtenstein angeblich auch dafür bekannt sein, dass "immer alle dicht" sind... "Dufte" findet Sänger Kung Shu jedenfalls auch, dass es kein Militär gibt. Wenn auch ein wenig zynisch, die fünf Anti-Boygroup-Mitglieder haben sich immerhin mit Liechtenstein auseinandergesetzt und verfügen zweifellos über grosses Talent.
Gerüchte um 100 Zigaretten ...
Positiv überrascht haben auch die finnischen Senkrechtstarter HIM, die den meisten bisher von ihren beiden Singles "Join me" und "Poison Girl" ein Begriff gewesen sein dürften. Gerüchten zufolge soll der Sänger Ville Valo hundert Zigaretten pro Tag rauchen anstatt zu essen. Wahrscheinlich ist sogar etwas Wahres dran, denn wer weiss, ob die Show ohne Bier, Zigaretten und BH am Mikro auch so gut gewesen wäre? Nichtsdestotrotz boten HIM eine phantastische Show und überzeugten das vorwiegend junge, aber inzwischen massenweise mitrockende Publikum. HIM begnügten sich aber nicht nur mit Songs aus dem eigenen Repertoire, sondern coverten unter anderem auch "Larger than life> von den Back Street Boys, was allerdings nicht nur auf Begeisterung stiess.
"Have you got a soul?"
Schlechthin der Höhepunkt des Abends waren aber die Commitments. Ihr literarischer Ursprung gründet im Buch "The Commitments" von Bestseller-Autor Roddy Doyle. Es erzählt die Geschichte einer irischen Soul-Band auf dem Weg nach oben. Die Gruppe aus dem Film, die schliesslich mit ihrem Soundtrack in alle Charts vorgestossen ist und durch die ganze Welt tourte, begeisterte am Freitagabend in loser Formation nahezu alle Anwesenden mit ihren Stimmungssongs wie "Mustang Sally", aber auch mit Balladen wie "Try a Little Tenderness". Vor allem, aber nicht nur die Generation der Zuschauer, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre ihre Jugend erlebten, liessen sich vom perfekt vermittelten Soul- und Funk-Feeling anstecken.
Rathausbühne: Viva Italia und "die spinnen, die Franzosen"
Auf der Rathausbühne, wo Veranstalter Michael Gattenhof vor allem "aussergewöhnliche und neue Künstler" begrüsste, zeigten "Barrelhouse" aus den Niederlanden vor wenig Publikum Blues-Rock vom Feinsten. Als schliesslich gegen neun Uhr der italienische Sänger Edoardo Bennato erwartet wurde, hatte sich das Zelt vor der Rathausmuschel gefüllt. Mit etwas Verspätung trat Bennato, den die Veranstalter schon seit Jahren nach Vaduz holen wollten, auf die Bühne und übernahm mit italienisch-unwiderstehlichem Charme das Kommando. Bennato und sein ihn begleitendes Streichquartett begeisterten mit einfallsreicher Musik und Texten. Ein Lied widmete er allen Frauen, die "von der Funktionalität der Männer enttäuscht wurden". Kein Wunder, dass vor allem viele Frauen von Bennatos Musik angesprochen fühlten ...
Das aussergewöhnlichste Stück Musik stammte von der französischen Newcomer-Gruppe "Dionysos". Die wenigen Zuschauer, die das Konzert bis ans Ende verfolgten, erlebten wie die fünf Franzosen ihr Letztes gaben. Schliesslich rockten, hüpften, spinnten sie auf der Bühne. Die Fans liessen sich anstecken, und am Ende standen sich beide Parteien gegenüber und beklatschten sich gegenseitig.